​​​Info zum Klettern am Riesenstein in Heidelberg

 

Der ehemalige Steinbruch „Riesenstein“ ist ein traditionell gewachsenes Klettergebiet. Er liegt ober- und unterhalb des Johannes Hoops-Weges in Heidelberg und somit im Stadtgebiet.

Die Stadt Heidelberg (Landschafts- und Forstamt) hat im Rahmen versicherungsrechtlicher Fragestellungen (und damit eventuell hervorgehender Verkehrssicherungspflichten) im November 2020 ein ingenieurgeologisches Gutachten zur Einschätzung der Standsicherheit dieser beiden Bereiche in Auftrag gegeben.

 

Im Gutachten für den oberen Steinbruch (Riesenstein 2) wird - je nach Bereich - ein mittleres bis hohes Gefährdungspotential ausgegeben. Dadurch werden in den jeweiligen Bereichen unterschiedliche Schutzmaßnahmen nötig.

 

Für den Bereich der Kletterwand weist das Gutachten durch den regelmäßigen Personenverkehr und der bestehenden Steinschlaggefahr ein hohes Gefährdungspotential aus und sieht vor, den Zugang zur Felswand zu untersagen und das Klettern zu verbieten.

 

Im Januar 2021 ist die Stadt Heidelberg mit diesem Sachverhalt an die AG Klettern und die Sektion Heidelberg des Deutschen Alpenvereins e.V. herangetreten.

Bereits bei dieser Kontaktaufnahme legte die Stadt Heidelberg deutlich dar, dass sie das Klettern am Riesenstein nicht verbieten möchte, sondern vielmehr an der gemeinsamen Erarbeitung einer für alle Beteiligten vertretbaren Lösung interessiert sei.

Der DAV Heidelberg und die AG Klettern Odenwald begrüßen diese Haltung natürlich sehr.

(Dass von behördlicher Seite nicht einfach Tatsachen geschaffen werden, sondern ein Konsens angestrebt wird, steht für ein zeitgemäßes, zukunftsfähiges und nachhaltiges Management von Klettergebieten. Die Arbeit der Verbände wird gestärkt und die Akzeptanz für behördliche Entscheidungen in der Öffentlichkeit gesteigert.)

 

Am 9. Februar 2021 stimmten sich der DAV Heidelberg, der DAV Landesverband Baden-Württemberg und die AG Klettern in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen ab.

 

Am 10. März 2021 fand unter Einhaltung der Corona-Verordnung ein Präsenztreffen von VertreterInnen des Forstamtes Heidelberg, der DAV Sektion Heidelberg, der AG Klettern Odenwald und des ausführenden Ingenieurbüros, vor Ort mit folgendem Ergebnis statt:

 

Haftung und Verkehrssicherung muss für beide Seiten trag- und umsetzbar sein. Hier besteht noch Klärungsbedarf.

Ein Kletterverbot wird nicht ausgesprochen. Das freie Betreten des Geländes wird durch einen großräumigen Zaun verhindert und Warnschilder aufgestellt. Der Zaun wird mit einer Türe versehen und diese bis zur endgültigen Klärung versicherungs- und haftungsrechtlicher Fragen mit einem Zahlenschloss gesichert. Der Zahlencode wird der AG und dem DAV bekannt sein und kann an Kletterer weitergegeben, aber nicht veröffentlicht werden. Es darf nur der Kletterbereich betreten werden.

Der Kletterfels wird insbesondere im hinteren Bereich, in dem sich die leichteren Routen befinden, vom Ingenieurbüro noch einmal nachbegutachtet, es folgen regelmäßige Begutachtungen durch die Stadt Heidelberg.

Bäume an der Oberkante des Steinbruches werden durch das Forstamt entfernt.

Der ehemalige Gestattungsvertrag zwischen Klettervertretung und Stadt wäre neu zu gestalten und der aktuellen Entwicklung anzupassen.

Für das Klettern gibt es eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Eine entsprechende Kletterkonzeption wird unter Einbeziehung des Umweltamtes Heidelberg angepasst.

 

Für den unteren Steinbruch (Riesenstein 1) erfolgte ein eigenes Gutachten. Dieses sieht lediglich Warnschilder im Bereich der Felswand und der vorgelagerten Blöcke vor.

 

Dieses Infoschreiben stellt den derzeitigen Stand der Dinge am Riesenstein in Heidelberg bis zur endgültigen Klärung der beschriebenen offenen Fragen dar. Über den aktuellen Fortgang werden wir berichten.

 

Zusammenfassend kann der jetzige Status aus Sicht des Klettersports als äußerst befriedigend angesehen werden.

Wer sich die Alternative vor Augen halten möchte, der möge auf der anderen Uferseite des Neckars den Russenstein mit seinem stählernen „Felssturz-Schutzkleid“ betrachten.

 

Das Klettergebiet Ziegelhausen befindet sich nicht im Stadtgebiet und bleibt somit von derartigen Maßnahmen der Stadt Heidelberg unberührt.

29.03.2021